Philosophie

Unser Verständnis des Dialogs

Als in Deutschland aufgewachsene „Neubürger“ haben wir feststellen müssen, dass eine enorme Wissenslücke über den „Anderen“ existiert. Das Wissen der breiten Mehrheit geht leider nicht über die in den Medien sehr oberflächliche und oft verzerrte Darstellung hinaus. Getreu dem Gedanken, sich anstatt über die Dunkelheit zu beschweren, eine Kerze anzuzünden, um Licht in die Dunkelheit zu bringen, beschlossen wir im Frühjahr 2001 IDIZEM e.V. zu gründen, um im Dialog neue Akzente zu setzen.

Das Wort Dialog (altgriechisch dialegomal: sich unterhalten) beschreibt das Aufeinandertreffen von verschiedenen Meinungen oder Vorstellungen. Ziel des Dialogs ist es, eine Grundlage zu finden, auf der diese Meinungen gemeinsam weiter existieren können.

Es wird hierbei auch sehr oft von Toleranz gesprochen. Der Begriff Toleranz beinhaltet aber zunächst etwas Negatives. Man toleriert in der Regel eine eigentlich negative oder mangelhafte Sache, die man erdulden muss. Deshalb beinhaltet unser Verständnis des Dialogs nicht nur Toleranz, sondern vielmehr den Gedanken der „Akzeptanz“ des Anderen in seiner Eigenheit. Der Dialog ist demnach nicht das Ziel unserer Bestrebungen, sondern ein Mittel zum Zweck. Das Ziel ist es, dass Menschen aus verschiedenen Kultur- und Religionskreisen sich kennen lernen, Vorurteile abbauen, Gemeinsamkeiten und Trennendes diskutieren und somit eine Basis für eine gemeinsame Zukunft schaffen.

Der Dialog führt zur Akzeptanz, und die Akzeptanz ermöglicht ein fruchtbares und friedliches Zusammenleben.

 

alt

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein:

Sie muss zu Anerkennung führen.

Dulden heißt beleidigen.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

Unsere Inspiration

Es gibt Persönlichkeiten, die mit Hilfe ihrer Liebe und ihres Versprechens an die Menschlichkeit, über Jahrhunderte hinweg immer noch frisch und lebendig unter uns weilen. So ist z.B. Mevlana Celaleddin Rumi (1207 - 1273) eine immer noch lebendige Stimme, so sehr, dass die UNESCO das Jahr 2007 zu seinen Ehren gewidmet hat.

 

alt Komm, wer du auch seiest!                                                              
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.                                                             
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.                                                             
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,                                                             
komm nur,                                                             
und noch einmal: komm.
                                                             

 

...lauten seine berühmten Verse, in denen er seine Liebe zur ganzen Menschheit zum Ausdruck bringt. Rumis Stimme ist so kraftvoll, dass sie über Generationen hinweg viele Menschen beeinflusst hat.

altEiner seiner bedeutendsten Seelenverwandten in der Moderne ist zweifelsohne der türkische Gelehrte Fethullah Gülen. Gülen ist ein perfekter Zeitgenosse für Rumis Ideen, der für ihn eine große Stimme des Friedens ist, eine Figur der Toleranz und des Dialoges. Mit sozialem Engagement und moralischen Werten ist die Bewegung um Fethullah Gülen in Hinsicht auf Huntingtons Theorie und dem Kampf der Kulturen eine der wenigen wertvollen sozialen und intellektuellen Initiativen der muslimischen Welt, die Berührungen zwischen dem Orient und Okzident suchen. Das sollte als Chance für eine friedliche Zukunft verstanden werden.

Fethullah Gülen war der erste Vertreter der muslimische Welt, der sich nach dem 11. September 2001 vehement gegen den Terror aussprach, die Anschläge scharf verurteilte und sie als schweren Schlag gegen den Weltfrieden bezeichnete. Seit jeher bemüht er sich um ein Klima für Einigung und Toleranz, um die Menschheit auf ein Jahrhundert vorzubereiten, in dem die Kulturen miteinander kooperieren. Er motiviert zum Dialog und befürwortet eine Kultur der universellen menschlichen Werte, denn die Menschen haben viel mehr Gemeinsamkeiten als sie denken.

Durch die Inspiration aus Gülens Werken und seinen Leitgedanken für Toleranz und Dialog leisten viele Menschen einen ehrenamtlichen Beitrag für eine friedlichere und humanere Welt. Menschen sollten sich zur friedlichen Koexistenz bemühen. Das kann nur gelingen, wenn die Unterschiede zwischen den Menschen als wertvoller Teil unserer Existenz akzeptiert werden und ein aufrichtiger Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft stattfindet.